Bright Eyes im Carlswerk Viktoria

Ein besonderes Konzert 

Von Thomas Höhner

 

Bright Eyes, Köln, Carlswerk Viktoria, 23.08.2022 

Conor Oberst ist besonders. Im Alter von damals 13(!) Jahren nahm der Junge aus Omaha, Nebraska, sein erstes Album auf. Seitdem beglückt er uns mit einer großen Zahl musikalischer Projekte mit unterschiedlichsten Musikern und in verschiedensten Stilrichtungen. Im Jahr 2008 wurde er vom Rolling Stone Magazin zum besten Songschreiber gekürt. Die Band Bright Eyes ist vielleicht das Herzstück seines musikalischen Schaffens. Die Band produzierte von 1998-2011 neun Studio-Alben. Oberst entwickelte im Wesentlichen mit den ständigen Bandmitgliedern Nate Walcott und Mike Mogis einen recht einzigartigen Stil von Folk und Indie-Rock, der geprägt ist von seiner unverwechselbaren Stimme und großartigem Songwriting. Die Freude der Fans war groß, als die Band nach fast zehn Jahren Pause im Jahr 2020 ein neues Album vorlegte. Es dauerte weitere zwei Jahre, bis die Band es endlich wieder nach Köln schaffte. 

Eröffnet wurde der Abend durch das aus Brighton, UK stammende Trio Penelope Isles um das Geschwisterpaar Lily und Jack Wolter. Sie begannen mit eher ruhigen Folk-Songs, wobei mich die Falsett-Stimme von Jack Wolter etwas an Jim James von My Morning Jacket erinnerte. Dann zeigten die drei aber auch andere Seiten. Die Songs wurden härter mit Punk-Elementen und länger mit ausgiebigen psychedelischen Jams, gespickt mit interessanten Klangeffekten aus Jacks Gitarre. Das Bright Eyes-Publikum ist begeistert von so viel Potenzial und ist kurz davor, eine Zugabe zu fordern. Richtig gut! 

Nach recht langer Umbaupause betrat Conor Oberst mit seinen sieben Mitstreitern die Bühne. Ich habe oft gelesen, dass Konzerte mit Conor Oberst nicht vorhergesagt werden können. Aus USA wird berichtet, dass er im Frühjahr ein Konzert nach zwei Songs abgebrochen und die Bühne verlassen hat. Das passierte hier nicht. Er war sofort am Start. Die Band startete mit  „Sing and Dance“ vom Album „Down in the Weeds, where the World once was“ (2020) . Conor nahm das ersichtlich wörtlich und rannte wild tanzend und gestikulierend über die Bühne. Es wurde auch sofort klar, dass die acht Leute auf der Bühne den Songs eine immense Power geben. Es folgte eine bunte Mischung von Songs vom neuen Album und älteren Stücken aus dem riesigen Repertoire der Band. Vom neuen Album gefielen mir die kraftvolle Version von „Mariana Trench“ und „Tilt-a-Whirl“, dass er über seine Mutter geschrieben hat, die – wie er berichtet- zuhause auf seinen Hund aufpasst. Highlights waren für mich die ruhigeren Songs, wenn seine Stimme und die Gitarre oder das Piano im Vordergrund stehen konnten. Etwa der „Old Soul Song“ vom Album „I’m wide awake, it’s Mornng“ (2005), einem Protest-Song gegen den Irak-Krieg 2003, dessen Botschaft an Aktualität nicht verloren hat oder das wunderschöne „Poison Oak“ vom gleichen Album. Ich dachte während der Show, dass einige Songs die riesige Power der Band mit stampfenden Drums und den pumpenden Bass gar nicht bräuchten. Als wenn er das gehört hätte, setzte er sich ans Piano und setzt mit „Ladder Song“ vom Album „The People’s Key“ einen weiteren letzten Höhepunkt. Als die Band zur Zugabe wiederkommt und Conor mit der Gitarre „First Day of my Life“ vom Album „I’m wide awake, it’s Morning“ anstimmt, wusste ich, dass ich einem besonderen Konzert beiwohnen darf. Nur von Violine, Mandoline und Bass begleitet und mit herrlich trauriger und zerbrechlicher Stimme hören wir eine der Hymnen der Band.  Wie schreibt Birgit Fuss im neuen Rolling Stone so treffend: „Man möchte diesen Hymnen über den Kopf streichen und sie in eine Decke hüllen, aber wahrscheinlich beißen sie.“ Danach noch „I believe in Symmetry“ vom Album „Digital Ash in a Digital Urn“(2005) und dann war Schluß. Ich bin begeistert! Schön, dass sie wieder da sind! Keep on Conor! 

Thomas Höhner 

The National im Amphitheater in Gelsenkirchen

Charismatischer Sänger und  musikalische Masterminds 

Von Thomas Höhner


Ambiente
Das Amphitheater liegt inmitten des Nordsternparks auf dem Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau. Direkt hinter der Bühne verläuft der Rhein-Herne-Kanal. Viel idyllischer kann eine Konzert-Location kaum gelegen sein.
Courtney Barnett
Die Sonne lachte, als die bereits für den Grammy und die Brit Awards nominierte Australierin mit Band die Bühne betrat. 2021 hat sie ihr letztes Album „Things take time, take time“ veröffentlicht. Wir befanden uns bekanntlich in Gelsenkirchen. Als sie mit einem nahezu königsblauen Top erschien, hatte sie für mich bereits viel richtig gemacht. Aber ernsthaft: Es ging gut los mit „Rae Street“, dem während der Corona-Zeit aufgenommenen Opener ihres neuen Albums. Ich hatte sie zuletzt 2018 in einer vollen Live Music Hall in Köln gesehen, als sie mich vor Allem wegen der Dynamik der Songs und der Stimmungs- und Stilwechsel überzeugt hatte, von Folk zu Blues und von Rock zu Punk und Grunge. Heute ging es irgendwie viel bedächtiger zu. Während der gut 35 Minuten gab es zwar einige Highlights, wie etwa das zeitlose „Depreston“ vom Album mit dem beeindruckenden Titel „Sometimes I sit and think, and sometimes I just sit“ (2015) oder „Walking on eggshells“ vom Album „Tell me how you really feel“ (2018). Der Funke sprang aber heute nicht wirklich auf das Publikum über. Freundlicher Applaus, als die Band die Bühne wieder verließ.

The National
Die Band um den charismatischen Sänger Matt Berninger, die musikalischen Masterminds Bryce und Aaron Dessner sowie Bryan und Bruce Devendorf spielen in diesem Sommer vornehmlich auf einigen Open Air Veranstaltungen in Europa und der restlichen Welt. Sie starten die Show kraftvoll mit „Don’t swallow the cap“ vom Album „Trouble will find me“ (2013), gefolgt von “Mistaken for strangers” vom Album “Boxer” (2007) und “Bloodbuzz Ohio” von “High Violet” (2010). Der Sound stimmte von Beginn an. Die Anlage war gut auf die örtlichen Verhältnisse eingestellt. Danach ging es mit ruhigeren Stücken weiter, etwa das wunderschöne „I need my girl“ oder „This ist the last time“ (beide von „Trouble will find me“). Nach gut 45 Minuten hatte man dann aber den Eindruck, dass die Show etwas vor sich und dem Rhein-Herne-Kanal her dümpelte. Der Großteil der Zuschauer saß auf den Betonstufen des Theaters. Man nahm plötzlich sogar den Schiffsverkehr auf dem Kanal wahr. Matt Berninger erkannte die ungewollte Entspannungssituation und entschied, dass er der Show wieder etwas mehr Kick geben muss. Er entfernte sich – zum Leidwesen des kabeltragenden Mitarbeiters der Crew- wieder traditionell von der Bühne und suchte den Kontakt zum Publikum, streichelte über die Köpfe der Fans und trank aus ihren Bierbechern. Das Publikum reagierte sofort. Ich hatte den Eindruck, dass auch die restliche Band wieder aufdrehte. Es ist immer wieder faszinierend, welche Dynamik und Power die Songs durch die gezielten Gitarreneinsätze der Dessner-Brüder und die dosierten Einsätze der Bläser erhalten. Die Band hatte wieder Alles im Griff! Nach einem schönen „Light years“ vom letzten Album „I am easy to find“ (2019) über ein fulminantes „England“ (von „High Violet“) zu einem glorreichen Finale mit „Fake empire“ (von „Boxer“). Sie kommen noch für vier Zugaben zurück, wobei „Mr. November“ (vom Album „Aligator“,2005) ein weiteres Highlight war, weil Matt nochmal fast das komplette Amphitheater durchquerte und hierbei körperlich und stimmlich an seine Grenzen ging. Die Show geht diesmal ohne die übliche gemeinsame Gesangsstunde bei „Vanderlyle crybaby geeks“ zu Ende. Nichts destotrotz sind die Konzerte von The National im positiven Sinne speziell. Das liegt an der teils magischen Kraft ihrer Musik und an der intensiven Beziehung zum Publikum, für die im wesentlichen Matt Berninger verantwortlich ist. Das haben wir heute in dieser tollen Umgebung wieder erleben dürfen.  ( Thomas Höhner )




Fotostrecke The National

Support -Courtney Barnett




Larkin Poe, Köln, Live Music Hall, 28.05.2022

“Edgar Allan Poe und der Blues " von Thomas Höhner und Fotos von Carsten Axt

Rebecca Lovell, Sängerin und Gitarristin der Band, gab mal in einem Interview an, dass man den Bandnamen bei der familiären Ahnenforschung gefunden hat. Bei ihrem Urururgroßvater Larkin Poe soll es sich um einen Cousin des berühmten Schriftstellers Edgar Allan Poe gehandelt haben. Wenn man sich das Schicksal einiger der Figuren in seinen Geschichten anschaut, ist zumindest die Verbindung zum Blues leicht herzustellen. Jedenfalls freute sich die nahezu ausverkaufte Live Music Hall nach coronabedingter Verschiebung endlich darauf, die Nachfahren von Edgar Allan und Larkin Poe wiederzusehen. 

Als Vorgruppe waren Issy Ferris und Archie Sylvester („Ferris & Sylvester“) aus London eingeladen. Das Duo hat vor gerade zwei Monaten ihr Debutalbum veröffentlicht. Als Archie Sylvester das harte Bluesriff des Titelsongs „Superhuman“ anspielte, war das Publikum sofort am Start. Mit wechselnden Instrumenten (Gitarre, Bass und Kickdrum) und abwechslungsreichen Einblicken in ihr neues Album ließen sie die 45 Minuten wie im Flug vergehen.

Nach angenehm kurzer Umbaupause legten Larkin Poe direkt mit „She’s a self-made Man“, dem Titelstück ihres im Jahr 2020 erschienenen Albums, los. Von Beginn war der Sound klar und druckvoll. Die Anlage der Band war für die geräumige Location gut ausgesteuert. Nach den ersten beiden Stücken wurde das Publikum herzlich begrüßt, bevor es mit „Keep Diggin‘“ (auch von „Self Made Man“) und „Trouble in Mind” (vom Album “Reskinned”, 2016) kraftvoll weiterging. Danach erzählt Rebecca ausführlich aus ihrem Leben: Geboren in Knoxville, Tenessee, aufgewachsen in Georgia, spielte die Musik eine zentrale Rolle im Leben ihrer Familie. Es ging hier um alle traditionellen Formen amerikanischer Musik wie Country, Folk, Americana und ganz besonders den Blues.

Als ihre Schwester Megan Lovell dann das Intro von „Preachin‘ Blues“ auf ihrer elektrischen Rickenbacher Lap Steel-Gitarre anspielte, war für mich schon der erste Höhepunkt der Show gekommen. Die Töne, die sie scheinbar spontan der Gitarre entlockte, provozierten sofort Szenenapplaus, bevor die Band zurückkehrte und mit vereinten Kräften den Son House-Klassiker nach Hause spielte. Die Band ist nun seit fünf Wochen auf Tour und bestens auf die Setlist eingespielt. Tarka Layman am Bass und Kevin McGovan am Schlagzeug treiben die beiden Protagonistinnen zu musikalischen Höchstleistungen. Rebecca ist stimmlich in Höchstform und zeigt bei „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“ in einigen perfekt gespielten Soli auch ihr Können an der Gitarre. Megans außergewöhnliche Fähigkeiten, ihre Slide-Gitarre zu spielen, zeigen sich fast bei jedem Riff oder Lick.

Es gab keine schwachen Momente während der gesamten 90 Minuten. Besondere Highlights waren neben „Preachin‘ Blues“ noch das Traditional „John The Revelator“ sowie “Holy Ghost Fire” und “Back Down South” (beide vom Album “Self-Made Man“). Letzteres Stück beschreibt sehr gut die musikalische Identität der Band, wenn dort Anspielungen auf die großen Musiker und Bands der Südstaaten der USA wie etwa James Brown, Charlie Daniels oder die Allman Brothers gemacht werden. Der Klassiker „Blue Sky“ der Allman Brothers wird im Song sogar kurz angespielt. Nach der Zugabe „Come on in my Kitchen“ ist dann Schluss. Ein Abend voller traditioneller amerikanischer Musik, die durch die Band ein modernes Gewand erhalten hat, und inspiriert und authentisch präsentiert wurde. Das Publikum (mich eingeschlossen) hat es geliebt.

Thomas Höhner

Support: Ferris & Sylvester

Ana Popovic im Musiktheater Piano

in Dortmund , 09.04.2022

Wir freuen uns nach der langen Wartezeit endlich mal wieder im Piano zu sein.
Ana Popovic hat sich durch Ihre langjährigen Auftritte inzwischen einen guten Ruf in der Blues Szene erarbeitet. Mit im Gepäck die 2020 Veröffentlichung -
 Life for life die auch als DVD erschienen ist.
Vielen Dank an Jenny von 3Dog-Entertaiment.


SAMANTHA FISH, Musiktheater Piano, Dortmund 25.05.2019 

Vorweg: Ich bin vielleicht nicht objektiv. Spätestens seit ihrem Album ,Belle of the West‘ (2017), das ich auch mit auf die berühmte einsame Insel nehmen würde, bin ich Fan ihrer Musik. Also keine Frage, dass ich mich aus dem Rheinland auf den Weg nach Dortmund machen würde, um sie erstmals live zu sehen.
Das Musiktheater Piano war für mich Neuland. Von außen im Stil einer großen Gaststätte, wird man innen überrascht von einem Jugendstil-Saal mit Stuckverzierungen an der Decke. Ein schönes Ambiente für einen verheißungsvollen Konzertabend.

Musikalisch begrüßte uns die aus London stammende Band ,Curse of Lono‘, die mit eingängigem Folkrock/Americana aufwartete und das bereits begeisterte Publikum auf den weiteren Abend einstimmte.
Nach einer Umbaupause erschienen dann die Hauptprotagonisten des Abends: Samantha Fish in Begleitung von Chris Alexander (b, voc), Scott Graves (dr) und Phil Breen (keyboards). Los ging es mit ,American Dream‘ vom ,Belle of the West‘-Album. Nach einigen Übersteuerungen beim Sound während des ersten Titels war dann ab dem zweiten Song soundmäßig alles in Ordnung. Das Titelstück vom, ´Chills & Fever‘-Album war bereits eines der vielen Highlights gefolgt von ,Don’t say you love me‘. Wer die bereits sehr gute Audiotree-Liveversion kennt, der war überrascht, dass man dieses Stück noch härter und eindrücklicher spielen kann. Man glaubt ihr irgendwie die Geschichten, über die sie singt. Der gesamte erste Teil des Sets bestand aus intensiven und energiegeladenen Blues- und Rockstücken, die das Piano buchstäblich zum Kochen brachten. Ich denke, nicht nur mein Deo versagte. Die vielen Deckenventilatoren waren überfordert. Man hatte den Eindruck, sich im Hochsommer in einem überfüllten Juke Joint irgendwo in Mississippi kurz vor einem erlösenden Gewitter zu befinden.

Mit ;Blood in the water‘ vom ,Belle of the West’-Album wurde der nicht minder eindrucksvolle ruhigere Teil der Show eingeläutet. ;Gone for good‘ , Need you more‘ und das fantastische ;Daughters‘, das als Ballade beginnt und sich - nach Gitarrenwechsel - zu einer immer weiter ansteigenden Gitarren- und Soundorgie entwickelt, waren für mich weitere Höhepunkte der Show. Zum Schluss griff Frau Fish dann noch zur Cigarbox-Gitarre und spielte ,Shake `em on down‘, um das Publikum nochmal mit einem rauen Blues in den Norden Mississippis zu entführen.
Nach einer Zugabe war dann Schluss.

Fazit: Ein rundum gelungener Abend. Schöne Location, gute Vorgruppe und eine inspirierte Samatha Fish als Hauptact und das alles ohne Allüren. Das Dortmunder Publikum war begeistert. Als ich mich auf den Weg zurück ins Rheinland machte, hat sie immer noch CDs und Platten signiert. Ich werde wiederkommen und bestimmt nicht nur ich… 
 
Thomas Höhner
 
 
 
 
 
 


The National

The National, Palladium Köln, 02.12.2019
,Sleep Well Kölle‘
Bisher fielen meine Reviews meistens positiv aus. Als ich an diesem kalten Dezemberabend in mein Auto steige, bin ich nicht sicher, ob das heute so bleiben wird. Ich kenne zwar die meisten Alben der ursprünglich aus Cincinnati, Ohio stammenden Band. Beeindruckt hat mich aber eher das von den Brüdern Aaron und Bryce Dessner produzierte Projekt ,Day of the Dead‘, das eine Hommage nahezu aller aktuellen Stars der Indie- und Alternative-Szene an die Musik der legendären Grateful Dead auf 5 CDs beinhaltet. Ansonsten hat es bisher nur der Song ,Fake Empire‘ vom Album ,Boxer‘ (2007) auf meine Auto-Playlist geschafft. Es ist Montagabend nach einem stressigen Tag im Büro. Auf der Fahrt ins Palladium höre ich zur Vorbereitung ihre Show in der Elbphilharmonie Hamburg aus 2017. Der Sound des Mitschnitts ist perfekt. Die Akustik dort muss wirklich gut sein. Aber um den Slang der Casting-Show-Bewertungen zu benutzen: Die Musik ,holt mich nicht ab‘, sie wirkt steril und irgendwie synthetisch. Ich frage mich nur, warum das Publikum am Ende jedes Songs so abgeht. Als ich endlich einen Parkplatz finde, bin ich skeptisch, ob mich ihre Musik heute begeistern kann.
Das Palladium ist seit Wochen ausverkauft. Es eröffnet die Kanadierin Hannah Georgas mit zwei Musikern mit recht traurigem und getragenem Synthi-Pop/Rock. Das Publikum applaudiert zwar freundlich, aber die Darbietung hatte einige ,Längen‘ für mich. Meine Stimmungslage hat sich nicht gebessert. Ich denke an die bequeme Couch im warmen Wohnzimmer mit einer schönen TV-Serie.
The National betreten gegen kurz vor 21 Uhr die Bühne, wobei das Publikum die Ankunft der Band im Backstage-Bereich und den Gang auf die Bühne auf einer Wandprojektion auf der Rückwand der Bühne mitverfolgen konnte. Sie starten mit ,You had your soul with you‘ vom neuen Album ,I am easy to find’ (2019). Der Sound gefällt mir anfangs nicht. Die Gitarre von Bryce Dessner, der einige Meter vor mir auf der rechten Bühnenseite steht, ist zu leise. Sänger Matt Berninger erinnert mich mit seiner großgerahmten Brille an meinen alten Deutschlehrer. Sie brauchen die ersten drei Songs, um den Sound abzustimmen. Dann kommt ,Bloodbuzz Ohio‘ vom Album ,High Violet‘ (2010). Die Bühne ist ganz in rot gefärbt. Vor Bryce Dessner, der hinter einem Aufbau technischer Geräte auf der Bühne steht, wobei das oberste aussieht wie eine Autobatterie, zaubert wundersame Klänge aus seiner Gitarre. Die Riffs erinnern mich teilweise an den jungen ,The Edge‘, die ziselierten Gitarrenläufe wecken Erinnerungen an den glorreichen Jerry Garcia. Das Alles wirkt nicht steril, sondern plötzlich sehr authentisch. Was passiert hier? Alle Stücke erhalten plötzlich eine Tiefe und Bedeutung, wobei ich den Wandel in meiner Wahrnehmung nicht richtig erklären kann. Es ist das perfekte Zusammenspiel von teilweise zehn Musikern (inklusive der beiden Sängerinnen), getrieben von zwei Schlagzeugern und gezielten Bläsereinsätzen, die den Songs einen besonderen Ausdruck verleihen. Und dann der Sänger Matt Berninger, der sich alle Mühe gibt, den Rockstar zu geben. Er ist ständig und immer Konversation betreibend in Richtung Publikum unterwegs mit einem verkabelten Mikrophon. Die Wege, die er hierbei nahezu in alle Ecken der Halle zurücklegt, sind beeindruckend. Die Roadies der Band sind fast durchgängig mit dem Auswerfen und Einholen des Kabels beschäftigt. Berninger hat auch Spaß dabei, das Publikum mit gefüllten Getränkebechern zu bewerfen. Trotzdem oder gerade deswegen lieben sie ihn. Wenn er zunächst den Mikrofonständer samt Mikro aus einer Laune heraus auf den Boden schleudert und sich dann beim Roadie entschuldigt, der ihn wieder aufrichten muss, dann glaube ich zu erkennen, dass er wohl doch nicht der Macho-Rockstar ist, den er manchmal spielt. Das Alles wirkt eher selbstironisch und sympathisch. Meine Stimmung hat sich innerhalb von wenigen Minuten von leicht genervt auf begeistert geändert. Und es liegt an der Musik, die jetzt perfekt mit der Lichttechnik abgestimmt die starken Songs transportiert. Es fällt schwer, aus der Setlist Songs besonders hervorzuheben, vielleicht das verträumte ,I need my Girl‘ vom Album ,Trouble will find me‘ (2013), bei dem Hannah Georgas den weiblichen Gesangspart übernimmt,oder die schönen Versionen von ;Dark Side of the Gym‘ und ,Carin at the Liquor Store‘, beide vom Album ,Sleep well beast‘ (2017).
Auch ,The System only dreams in total Darkness‘ vom gleichen Album mit einem schönen Gitarrensolo von Aaron Dessner ist vielleicht noch zu erwähnen. Die Zeit vergeht plötzlich rasend schnell. Als die Band nach Fake Empire frenetisch vom Publikum gefeiert von der Bühne geht, bin ich euphorisiert. Die Macht und die Tiefe der Songs haben mich mitgerissen. Wenn dann ganz zum Schluss die gesamte Gemeinde -nur dirigiert von Matt Berninger und der restlichen Band- alleine das Stück ,Vanderlyle Crybaby Geeks‘ (von High Violet, 2010) singt, dann wird das Ganze schon fast zum spirituellen Erlebnis. Ich bin jedenfalls bekehrt!
 
Thomas Höhner


The Felice Brothers 


Köln, Luxor 05.02.2020
Aus den Catskills nach Köln-Klettenberg…
Die Musik der Felice Brothers ist nicht einfach zu beschreiben. Sie hat etwas von „The Band“, einen Schuss „Velvet Underground“ und eine Prise von Bob Dylan. Jedenfalls hat sie einen hohen Wiedererkennungswert, was vor allem an der Stimme von Ian Felice liegt. Die Band aus Upstate New York hat ihr mittlerweile neuntes Album „Undress“ (2019) im Gepäck, als sie auf ihrer Tour rund um die Welt im Luxor in Köln Station macht.
Eröffnet wird die Show von Carson McHone aus Austin, Texas mit Country-/Folksongs und kurzweiligen Geschichten. In Erinnerung bleibt mir der Song „I need drugs“ vor Allem, weil sie angibt, dass es im Merchandising-Bereich ein T-Shirt mit dieser Aufschrift geben soll.
Obwohl offenbar nur ein Micro und der Gitarrenanschluss auszutauschen sind, dauert es noch fast eine halbe Stunde, bis Ian und James Felice mit Jesske Hume (bass) und Will Lawrence (drums) die Bühne betreten. Die Band hat seit 2006 und mit wechselnder Besetzung einen sehr eigenen Stil mit teils melancholischem, purem Folk und mit teils kraftvollem Beat und Rock gefunden. Heute geht es erst mal kraftvoll los, wobei der Sound zunächst zu wünschen übriglässt. Es gibt heftige Rückkopplungen und der Bass dröhnt mächtig, aber Ian und die Band und auch das Publikum nehmen es mit Humor. Hierbei können die Brüder unterschiedlicher kaum sein: einerseits der extrovertierte James Felice am Akkordeon und am Piano, andererseits der introvertierte, teilweise verstört wirkende Ian Felice an der Gitarre. Im ersten Teil der Show werden überwiegend Stücke vom aktuellen Album „Undress“ gespielt, das im Verhältnis zu den Vorgängern viele politische Statements enthält mit Stücken, die man fast schon Protestsongs nennen kann. Die für das Album fast vollständig live eingespielten Stücke haben durchgängig eingängige Riffs und Refrains und machen es für mich zu einem der besten Alben in seinem Genre (Americana/Folkrock) für das Jahr 2019. Auf der Bühne erhalten die Stücke noch eine größere Dynamik. Ab dem dritten Stück „Salvation Army Girl“ stimmt auch der Sound. Die Rhythmus-Sektion mit der Bassistin Jesske Hume und Drummer Will Lawrence sorgt für einen schönen Groove. Sehr stark kommen „TV Mama“, „Nail it on the first try” und der Titelsong “Undress” von neuen Album. Weitere Highlights sind das von James gesungene „Whiskey in my Whiskey“ und „ Frankies Gun“ (beide vom Album „The Felice Brothers“, 2008) sowie das Uptempo-Stück „Cherry Licorice“ vom Album „Favorite Waitress“(2014). Nach zwei Zugaben und gut 90 Minuten kommt dann Ian mit seiner Gitarre nochmal alleine zurück und spielt ein letztes Stück. Manchmal erinnert er mich wirklich an Bob Dylan zur Zeit der „Rolling Thunder Revue“ in der 70er Jahren, als dessen Stimme noch richtig gut war. Ein wirklicher toller Schlusspunkt und insgesamt ein verheißungsvoller Start in das Konzertjahr 2020.

 
Thomas Höhner

Lady Lamp


Lady Lamb , Jaki Köln 26.02.2020
„Musikalischer Aschermittwoch“ 
Nach einer intensiven Karnevalszeit schleppe ich mich eher müde ins Jaki, einen kleinen aber feinen Club in der Venloer Straße. Die Bühne ist an beiden Seiten mit eingetopften Farnpflanzen dekoriert. Der Club füllt sich nur langsam, als Alex Toth aus Brooklyn, New York, die Bühne betritt. Er erinnert mich an einen Waldschrat mit einer rosa Wollmütze. Er hat Gitarre und Trompete mitgebracht. In Anspielung auf den Farn kündigt er an, „Waldmusik“ spielen zu wollen sowie Songs von seinem ersten, im Jahre 2019 erschienenen Album „Practise Magic and Seek Professional Help when Necessary“. Sein Humor und vor allem seine Musik kommen an. In der Folge bringt er das Publikum sogar dazu, einen gregorianischen Chor zu imitieren. Die Mischung aus teilweise vom Band und teilweise live gespielter Musik gefällt mir. „When I awoke“ vom ersten Album, „Juliette“ und das neue Stück „Muerte“ sind die Highlights für mich. Mit dem Stück „Copilot“ von seinem ersten Album beendet er ein intensives und abwechslungsreiches Set.
Aly Spaltro alias Lady Lamb oder formally known as “Lady Lamb the Beekeeper” ist ganz in Schwarz gekleidet, wobei sie heute nur eine weiße Fender Stratocaster mit auf die Bühne nimmt. Man hat den Eindruck, dass sie gerade die Highschool abgeschlossen hat und dass sie am Einlass wohl noch nach ihrem Perso gefragt wird. Aber die Frau ist schon seit 13 Jahren musikalisch aktiv und hat seit 2013 bereits drei Alben veröffentlicht. Ihre mit leichtem Country-Touch versehene Stimme und das präzise Spiel an der Gitarre nehmen mich sofort ein. Manchmal braucht es halt nicht mehr als eine Gitarre, eine schöne Stimme und gute Songs. Und hiervon hat die Lady heute einige mitgebracht, wobei sie am Ende zugibt, sich überhaupt keine Setlist gemacht zu haben. Zwischen den Songs erzählt sie locker Geschichten, etwa wie es zum Song „Deep Love“ vom neuen Album „Even in the Tremor“ (2019) gekommen ist. Sie hatte gerade eineinhalb Jahre gebraucht, um mühsam die Texte für das neue Album zu schreiben und nun das Studio gebucht, um die Stücke einzuspielen. Als sie kurz vorher aus ihrem New Yorker Stadtteil Queens nach Midtown Manhattan fährt und dort eine ganz andere Stadt sieht geprägt von Kälte und menschlicher Unnahbarkeit in einer Betonwüste, da wird ihr bewusst, wie sehr sie ihre gewohnte lebendige Umgebung mit viel Multi-Kulti doch liebt. Aus dieser eher deprimierten Gemütslage heraus schreibt sie „Deep Love“, die Single des neuen Albums wurde, innerhalb von zehn Minuten. Es wird ein sehr persönlicher und intensiver Song, der dann auch einer der Höhepunkte der heutigen Show wird. Neben „Deep Love“ stechen heute „Little Flaws“ vom letzten Album und „Sunday Shoes“ vom Album „After“ (2015) heraus. Obwohl sie eigentlich mit einem anderen Stück aufhören wollte, spielt sie zum Schluss auf einen Zuruf aus dem Publikum noch „Crane your neck“ vom Album „Ripely Pine“ (2013). Ein würdiger Abschluss, der sie stimmlich und an der Gitarre noch einmal zu einer Höchstleistung treibt.  Die Show hätte definitiv viel mehr Zuschauer verdient gehabt. Nach sehr viel Karnevalsmusik in den letzten Tagen fühle ich musikalisch irgendwie wieder „geerdet“! Thanks Aly!
Thomas Höhner

Thorbjørn Risager & The Black Tornado 



Thorbjørn Risager & The Black Tornado –, Come on in’ (Ruf Records, veröffentlicht: 31.01.2020, Spielzeit: 42:04 min.)
Dass auch die Dänen den Blues haben können, das beweist Thorbjørn Risager seit fast 20 Jahren. Sein neues Album, Come on in‘ ist sein insgesamt zehntes Album und bereits sein viertes Album für Ruf Records. Er hat es erneut eingespielt mit der mittlerweile auf acht Musiker angewachsenen Formation, The Black Tornado‘.
Das Album beginnt dann auch mit zwei rockigen Up-Tempo-Stücken (, Come on in‘ und, last Train‘), die sofort demonstrieren, welche Kraft in der Truppe steckt. Das dritte Stück, Nobody but the Moon‘ startet mit einem verspielten Reggae-Intro, das einen entspannt groovenden Blues-Rock mit leichten Soul- und Surfelementen einläutet. Nach einem intensiven melancholischen Zwischenstück (.Two Lovers‘) gibt es das erste Highlight des Albums: ,Never givin’ in wird unaufhaltsam getrieben von einem einprägsamen akustischen Gitarrenriff, auf das mit ansteigender Dynamik Risagers Stimme, Percussion, Keyboards und Bläser gelegt werden. Sehr gut gefällt mir auch das nachfolgende, Sin City‘, ein stampfender Country-Blues, der eher dem Norden Mississippis als dem kühlen Kopenhagen entsprungen zu sein scheint. Nach eher düsterer Stimmung wird man überrascht von kräftigem Rock’n’Roll mit Boogie-Elementen (, Over the Hill‘). Aber auch dieser Stimmungswechsel gelingt der Band, wobei der Song auch durch die hervorragende Gitarrenarbeit von Joachim Svensmark heraussticht. 
Mich beeindruckt, dass es das Album schafft, völlig unterschiedliche Spielarten des Blues glaubhaft zu präsentieren: Vom emotionalen langsamen Blues mit viel Soul (,Two Lovers‘) über rauen Country Blues (,Sin City‘, ,I’ll be gone‘) und eher traditionellen Rock’n’Roll (,Over the Hill‘) zu treibendem Bluesrock (,Love so fine‘, ,Come on in‘). Dies gelingt einerseits durch die Power der achtköpfigen Band und liegt andererseits an der vielseitigen und ausdrucksstarken Stimme Risagers. 
Hierbei gefällt mir auch das Songwriting. Teils sinniert Risager über das Älterwerden (, Last Train‘), teils sehr emotional über das Leiden und die Liebe (, Two Lovers‘). Dabei scheut er nicht davor, auch politisch heiße Eisen wie die Flüchtlingskrise anzusprechen (, Nobody but the Moon‘), nicht allerdings ohne, das Licht am Ende des Tunnels‘ zu sehen, wie er es selbst formuliert.
Herausgekommen ist ein im positiven Sinne besonderes Blues Album mit Musik, die den Hörer in einer wahrlich nicht leichten Zeit die Probleme des Alltags kurzzeitig vergessen lässt.
Thomas Höhner

Dropkick Murphys


In Dortmund und die Post geht ab.
 
Kleckern kennen die Jungs von Dropkick Murphys nicht, das Intro ist rum und sofort 120% geht’s in die Vollen mit Vollkontakt mit den Fans in den ersten Reihen und der Konfetti Kanone.
 
Bei„You never walk alone“ in Dortmund, da feierte die ganze Halle , wenn wunderst, freudig mit. 
 
Leider gab es kaum verbale Interaktion mit dem Publikum, dafür non Stopp Songs vom feinsten. 
 
Zum großen Finale standen plötzlich die ersten zwei Reihen auf der Bühne und feierten mit den Murphys ein gelungenes Konzert. Vor gut 8.000 Fans 
 
Frank Turner & The Sleeping Souls
 
Ein Traum wird wahr für Frank, er spielt auf derselben Bühne wie seine großen Jugendidole Iron Maiden in der großen Westfalenhalles seinerzeit 1990 und das Publikum feiert es mit ihm zusammen. Scream for me Dortmund 
 
Frank kann aber auch nur mit seiner Gitarre und seinem kleinen Folk Solo über „Jinny Bingham’s Ghost“ trumpfen, da sage ich mal Prost ins Publikum.
 
Zum Finale noch mal schnell eine Crowd-Surfing Einlage und ganz locker dabei weiter gesunden, was ihm aber wohl noch nicht reicht und noch mal eben eine flotte Sohle im ersten Wellenbrecher mit den Fans auf das Parkett gelegt. Daumen hoch und verdienter Respekt für so eine Show als Support. 
  
Ein sehr seichter Start in einen genialen Abend mit der one man Folk Band und Songwriter Jesse Ahern.


Heißer Import: “Canada’s Darling of the Blues” 

Das   "firegirl " Layla Zoe im Musiktheater Piano in Dortmund.
 Aufmerksam wurde ich auf Layla Zoe auf dem 2009 er Blues Festival in Schöppingen.

 Nach 1O Jahren hatte ich wieder die Gelegenheit das Blues Power Girl live zu erleben und wurde nicht enttäuscht.Ruhig ,sensibel begann der 1. Set und spätestens mit dem Song „little sister“ hatte sie das Publikum fest in der Hand und wurde lautstark unterstützt.

 Unglaublich mit welcher Performance sie den Blues interpretiert. 

Für mich nicht verwunderlich, dass sie Die Gewinnerin des European Blues Award für BEST VOCALIST of 2016 wurde.

Nach einer kurzen Pause und einem fetzigen zweiten Set wurde das Konzert nach einer zweiten Zugabe mit „I shall be released“ von Bob Dylan (nicht  von Grateful Dead , Hinweis für Detlef..)beendet.    

Veröffentlichung:  Gemini 2018 als CD, Doppel LP, Mp3